•  
  •  
Allianz «Es reicht»
Der Verein «Bündnerinnen und Bündner für eine glaubwürdige Kirche» gehört seit 2014 der Allianz «Es reicht» an.

Die Allianz «Es reicht» fordert in ihrer Petition einen gemeinsamen Neuanfang im Bistum Chur. Dazu hat sie untenstehende Petition verfasst, in der gefordert wird, auf die Wahl eines neuen Bischofs zu verzichten und stattdessen die Verantwortung für das Bistum vorübergehend einem Administrator anzuvertrauen.
Die Petition kann hier  https://allianzesreicht.wordpress.com/ online bis zum Dezember 2016 unterschrieben werden. Dort finden Sie auch einen Unterschriftenbogen zum Ausdrucken.
Datei

Petition der Allianz «Es reicht!» zur Churer Bischofswahl: Gemeinsam für einen Neuanfang im Bistum Chur!

Flyer Petition (533 kB, November 2016)
Stellungnahme der Allianz «Es reicht!» zum päpstlichen Lehrschreiben «Amoris et Laetitia«
Datei

Stellungnahme Amoris Laetitia (8 kB, April 2016)

Stellungnahme Amoris Laetitia.pdf (8 kB, April 2016)
Medienmitteilung zum Rundschau-Beitrag vom 27. Januar 2016 zu Nuntius Thomas Gullickson
Stellungnahme der Allianz «Es reicht!» zu den Äusserungen von Bischof Huonder zu Homosexualität

Die Allianz «Es reicht!» (Appell «Segen statt Brot», Basisgruppen-­Bewegung Deutschschweiz, Bündnerinnen und Bündner für eine glaubwürdige Kirche BBGK, FrauenKirche Zentralschweiz, Herbert Haag-­Stiftung für Freiheit in der Kirche, Jungwacht Blauring Schweiz, Katholische ArbeitnehmerInnen-­Bewegung KAB, Komitee aus dem Urnerland «Nicht mit uns, Herr Bischof Vitus Huonder!», Netzwerk «Kreuz und Queer durch Zürich», Pfarrei-­Initiative, SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund, Theologische Bewegung für Solidarität und Befreiung TheBe, Verein Tagsatzung.ch) ist aus einer spontanen Unterschriftensammlung entstanden, die in die Kundgebung vom März 2014 in St. Gallen gemündet ist.
In einem sorgfältigen Prozess haben die Mitglieder dieses Schulterschlusses verschiedener katholischer/kirchlicher Verbände, Gruppen und Bewegungen nun ihr Selbstverständnis erarbeitet. Das Papier gibt Auskunft darüber, wer hinter der Allianz steht, wie sie entstanden und strukturiert ist, wieso sie so heisst, wie sie heisst, und welche Anliegen sie vertritt.
Die Allianz «Es reicht!» weiss sich einer befreienden Kirche verpflichtet, die sich an den Menschen und ihren vielfältigen Lebensrealitäten orientiert.
In diesem Sinne verbindet das Bündnis auch konkrete Hoffnungen mit der gegenwärtigen Bischofssynode zu Ehe und Familie.
Aber auch die grundlegende Hoffnung, dass das Vertrauen der Bischöfe in die Vielfalt des Lebens grösser sei als ihre Angst davor. Und dass sie in Rom Worte und Wege finden, welche die Menschen, insbesondere die Mütter und Väter, in ihren Bemühungen anerkennen und stärken.
Das Selbstverständnis der Allianz «Es reicht!» können Sie hier einsehen:


St. Gallen: Es reicht!
Kundgebung für eine glaubwürdige und befreiende katholische Kirche Schweiz

ma Was genau sind die Gründe für die Kundgebung vom 9. März 2014?

Kirchenpolitisch: Aus dem Bistum Chur kommen seit Jahren und Jahrzehnten Signale und Verlautbarungen, die einem Katholizismus auf dem Boden des II. Vatikanischen Konzils und seinem Aggiornamento zuwiderlaufen. Das hat System. Auch der Nachfolger von Bischof Huonder wird dereinst dieselbe Linie vertreten, denn das Wahlkollegium ist nur mit Würdenträgern derselben Gesinnung besetzt. Es ist zu erwarten, das der erzkonservative Martin Grichting, der schon lange gegen die staatskirchenrechtlichen Strukturen polemisiert, sein Nachfolger werden wird. Deshalb fordert die Kundgebung einen Administrator für das Bistum, der Strukturen bereinigt.

Staatskirchenrechtlich: Wir haben in der Schweiz bewährte staatskirchliche Strukturen, die, wie es sich gehört, von Kanton und zu Kanton verschieden sind. Gemeinsam ist: Es wird auf die Einvernehmlichkeit zwischen Kirche und staatskirchlich verfassten Körperschaften (z.B. Kirchgemeinden) gesetzt.
Diese Strukturen fördern Mitverantwortung, Engagement und Selbstbewusstsein vieler Laien in Pfarreien und Kirchgemeinden. Darum finden wir bei uns vielerorts lebendige, partizipative Pfarreien. Dagegen läuft vor allem Generalvikar Grichting seit Jahren Sturm. Er will diese Körperschaften ersatzlos aufheben. Wie dann unsere Kirche finanziert werden soll, hat er noch nie ausführlich dargelegt. Diese Haltung ist durch und durch destruktiv und bedroht unsere Kirche in ihrer Existenz.

Theologisch: Bischof Huonder verkündet immer wieder theologische Halb- und Unwahrheiten. Seine Theologie ist ideologisch. Sein Verständnis des Katholizismus stammt aus dem 19. Jahrhundert (I. Vatikanisches Konzil): Das Lehramt leitet die Dekrete Gottes weiter, die Laien haben gehorsam zu hören und sich danach zu richten. Als Sanktion wird der sakramentale Segen verweigert.
Bischof Huonder leistet es sich deshalb, wissenschaftliche Theologie und den sogenannten „Glaubenssinn der Gläubigen“ (der Sinn des Kirchenvolkes für Glaubensangelegenheiten) zu ignorieren. Nach dem II. Vatikanum – und nach der kirchlichen Tradition – tragen diese beiden Instanzen ebenfalls zur Wahrheitsfindung der Kirche bei. Für Bischof Huonder hat das keine Relevanz.
Viele Aussagen von Chur, wie z.B. dass ein Sakrament nicht „wirke“ bei einer Person, die sich eines Vergehens im Bereich der Sexualmoral schuldig mache (wobei nicht einmal der Schweregrad des „Vergehens“ unterschieden wird), ist theologisch schlicht falsch. Hochproblematisch ist, was Bischof Huonder schon vor Jahren geäussert hat: Dass nämlich, wer ihm widerspreche, Christus widerspreche … Solche Beispiele gibt es über die letzten Jahre viele.

Seelsorgerlich: Menschen mit „Makeln“ werden stigmatisiert und diskriminiert. Das „Sündenregister nach Huonder“ ist bekannt; gerade die Umfrage des Papstes zu Ehe und Familie zeigt aber, dass weite Teile der Basis der katholischen Kirche – auch im eher konservativen Deutschland – der Überzeugung sind, dass katholischer Glaube nicht steht und fällt mit Vorgaben der Sexualmoral. Auch Bischöfe und Fachtheologen äussern sich in dieser Hinsicht (Bischof Ackermann von Trier; Kardinal Lehmann etc.).

Pastoral: Berufene und fähige kirchliche MitarbeiterInnen werden unter Druck gesetzt. Es wird immer wieder zur Denunziation von SeelsorgerInnen aufgerufen. Studierende sind für Bischof Huonder vor allem als ideologiekonforme Priesteramtskandidaten interessant – sogar dann, wenn diese als Priesteramtskandidaten in anderen Bistümern schon abgewiesen wurden. Deshalb hat sogar der jetzige konservative Regens des Bistums Chur seine Demission eingereicht; sein designierter Nachfolger steht noch weiter rechts. Das Bistum Chur sorgt sich nicht um kirchlich dringend benötigten Nachwuchs, sondern verhindert ihn mit seinem Auftreten in der Öffentlichkeit und mit seinem Verhalten gegenüber Menschen, die bereit wären in den kirchlichen Dienst zu treten.

Katholische Kirche in der Schweiz: Das Bild der katholischen Kirche in der Schweiz wird medientechnisch seit langem von Aussagen und Parolen von Bischof Huonder, Generalvikar Martin Grichting und Pressesprecher Gracia bestimmt. Zugegebenermassen beeindruckend; es stimmt in Stil und Auftreten mit der SVP überein. Wann zeigt die „andere“ Schweizer Kirche, anzahlmässig der (erz-)konservativen Minderheit weit überlegen, ihr Gesicht?

Warum sucht man nicht den Dialog?
Unzählige Versuche des Dialogs und Bittschriften gab es schon. Es ist nicht wahr, dass der Dialog nicht schon längst gesucht worden wäre. Dass nicht gebetet worden wäre. Und gelitten! Aber Bischof Huonder verweigert jeglichen Dialog mit der Basis, denn sie kommt in seinem Kirchenbild nur als „gehorsame“ und „hörende“ Kirche vor (s. oben). Finden tatsächlich Gespräche statt, verändern sie nichts.

Darf man gegen einen Bischof das Wort erheben?
Jesus hat kompromisslos seine Stimme erhoben gegen religiöse Obrigkeiten, wenn es darum ging, die Würde des Menschen zu wahren. Der Mensch kommt vor Strukturen und Hierarchie (vgl. z. B. Mk 2,27; Joh 2,13-22). Auch für kirchliche und theologische Grössen wie Augustinus oder Thomas von Aquin war klar, dass das Kirchenvolk seine Hirten mahnen und gegebenenfalls öffentlich kritisieren müsse, so Thomas, wenn Glaube bzw. Katholizität in Gefahr sei. Die Kirchengeschichte zeigt, dass dies immer wieder vorgekommen ist. Sie zeigt auch, dass sich das Lehramt oft geirrt und sogar gewalttätig verhalten hat (arianische Bischöfe; Zinsnehmen als Todsünde im Mittelalter etc.). 
 
Darf man Bischof Büchel und die anderen Bischöfe in Bedrängnis bringen?
Bischof Markus Büchel wurde über diese Aktion informiert. Man hat sich auf eine friedliche Kundgebung in St. Gallen geeinigt. (Vor 20 Jahren fand eine Demonstration direkt vor der Kathedrale in Chur statt). Die Schweizer Bischofskonferenz darf die seit Jahren besorgniserregende Situation von Seiten der Basis her aufgreifen. Dies ist eine Unterstützung für die SBK, die gegenüber dem Nuntius tätig werden kann.

Warum gerade jetzt und hier?
Es führt ein langer Weg zum 9. März 2014: Der Dialogversuche waren viele, Unterschriftensammlungen, Erklärungen etc. Nie hat es eine so starke gemeinschaftliche Bewegung und Organisation gegeben wie auf diesen 1. Fastensonntag hin. Die Aussagen von Chur im vergangenen Winter - bezüglich der verschränkten Arme statt Kommunion, der Hirtenbrief zum „Menschenrechtstag“ zum „Genderismus“ (nach erzkonservativem Modell von Pro Ecclesia, evangelikalen Freikirchen und SVP), und der Churer „Sonderzug“ hinsichtlich der päpstlichen Ehe-und Familie-Umfrage haben das Fass zum Überlaufen gebracht. In diese Kundgebung wurde und wird viel Energie, Gespräche, Vorbereitungen etc. hineingesteckt, damit Synergien möglich sind. Das Zeichen, das nun gesetzt werden kann, lebt von der Anzahl, die es öffentlich mittragen.

März 2014